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© Theresa Clayton 2015

 

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MUFFELPÖTTE

 

Ich bitte in der Bäckerei freundlich um 2 Baguettes und um eine Zeitung.

Die Verkäuferin, am frühen Vormittag schon ein bißchen gestreßt, nennt strengen Blickes die Summe, die ich zu bezahlen habe und entfernt sich, unverständliches vor sich hin murmelnd, mit meinem Geldschein.

Liebling schaut mich an, ich schau ihn an.

Was hat sie gesagt?

Der französischen Alltagssprache mächtig, rutscht mir in dieser Sprache, wahrscheinlich wegen des Wortes „Baguette“, völlig unkontrolliert - aber ganz leise - der sinngemäße Satz heraus, dass sie (die Verkäuferin) nicht sehr glücklich aussieht.

Liebling schaut verdattert ob der Tatsache, dass ich ihn plötzlich in dieser ihm relativ fremden Sprache anspreche. Deshalb wiederhole ich das Ganze in seiner Muttersprache. Er bestätigt meinen Eindruck.

 

Verkäuferins Kollegin versteht meine Äußerung gleich zu Anfang und beginnt zu lachen.

Liebling macht große Augen, ich auch.

Was freut die Kollegin denn?

Sie freut sich wohl, dass sie meinen Auslandssatz verstanden hat.

Und erklärt uns außerdem: „Glücklich sein ist hier sehr schwierig.“

 

Glücklich sein scheint in vielen Jobs nicht zur Arbeitsplatzbeschreibung zu gehören.

 

Nun erwarte ich ja nicht direkt, dass jemand glücklich ist bei seiner Arbeit.

Ich erwarte aber, dass er freundlich ist zur Kundschaft.

Wie zum Beispiel Liebling, der sich häufiger auf der anderen Seite des Ladentisches befindet. Weil unsereins zu Hause zu viel zu tun hat und MANN sich ruhig auch mal nützlich machen kann in Domänen, die nicht unbedingt zu seinen gehören, und deswegen auch schon mal zum Einkaufen geschickt wird.
Er ist immer ausgesprochen nett zum Personal.

In sämtlichen Geschäften unseres Städtchens.

Und bildet sich ein, dass man ihm genauso freundlich zu begegnen hat.

Er versteht irgendwie nicht, dass das nicht jedem gegeben ist: das Freundlich sein.

Weil diese Menschen vielleicht ein schweres Los haben, so dass ihnen ein freundliches Gesicht und ein freundlicher Ton einfach nicht gelingen wollen.

 

Nehmen wir doch zum Beispiel die junge Postbotin, die, mit Handy am Ohr, grußlos in den Laden spaziert, in dem Liebling sich gerade aufhält. Die, ohne irgend ein Wort, die Post auf den Tresen schmeißt und genauso stumm, aber immer noch am Handy, den Laden wieder verläßt.

Wer weiß schon, was sie an diesem Tag oder überhaupt schon alles hinter sich hat?
Und wenn man sich dann auch noch vorstellt, welch ein Aufwand das ist, muß man erst sein Handy wegstecken, dann reinkommen,
„guten Tag“ sagen, Post abliefern, „auf Widersehen“ sagen, Tür aufmachen und dann auch noch rausgehen und Handy wieder rausholen?

 

Besagter Handy-Postbotin möchte ich folgendes ins Poesiealbum schreiben:

Schauen Sie doch bitte vorher mal in den Laden rein, in den Sie gehen müssen,

ob Liebling in der Nähe ist. Und wenn sie ihn sehen, dann machen Sie es doch

einfach mal so wie er.

Lächeln und grüßen kostet ja kein Geld.

 

Übrigens gilt das ebenso für dieses und jenes Personal an manchen Kassen einiger Discounter, in denen wir hin und wieder einkaufen müssen, und wo man sich fragt, was denen denn für eine Laus über die Leber gelaufen ist.

Und für andere Unhöflinge, die sich angesprochen fühlen sollten in diesem unseren Städtchen gilt das gleiche.

Sie täten mir damit echt etwas Gutes. Ich muss mir nämlich Lieblings stundenlanges Gemecker anhören, wenn er nach Hause kommt und unterwegs wieder nur lauter Muffelpötte getroffen hat.

Glauben Sie vielleicht, mir macht das Spaß?