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© Theresa Clayton 2015

 

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VON ALTEN NÄHMASCHINEN UND TRAURIGEN HÄUSERN

 

 

Meine Nähmaschine hat schon mehr als 40 Jahre auf dem Buckel.

Sie ist ein schwerer Brocken und gehört eigentlich in einen Koffer.

Bisher ist es den EU-Beamten mit ihrer Regulierungs- und Kontrollwut entgangen, dass es noch keine Koffernähmaschinenkontrolleure gibt, die nachprüfen, ob die Nähmaschine auch in dem dafür vorgesehenen Koffer aufbewahrt wird.

Bis die das merken, steht meine Nähmaschine in der Rumpelkammer im Einbauschrank. Und zwar griffbereit, also ohne Koffer.

Ein fester Handgriff um ihren Hals, ein ordentlicher Schwung, schon steht sie auf ihrem Arbeitsplatz.

Stecker in die Steckdose, den passenden Faden auf die Spule, einfädeln, Stoff unter die Nadel geschoben, den Fuß auf das Pedal gedrückt und los geht die Näherei.

 

Ich habe unsensible Füße, ich bekomme das mit dem richtigen Druck auf das Pedal nie so ohne weiteres hin. Meistens rast der Stoff mit einem Affenzahn durch die Maschine, dass ich befürchten muß, der Zustand meiner Naht läßt mich in den Verdacht geraten, ich hätte mir mitten am Tag ein alkoholisches Delirium eingefangen.

 

Und heute?

Heute macht es „sssssss“ und sonst nichts.

Die Nadel bewegt sich keinen Millimeter.

 

Ich habe an sämtlichen Hebeln geruckelt, alle Knöpfe gedrückt, den Lichtschalter ein- und wieder ausgeknipst, den Stecker herausgezogen und wieder hineingesteckt, den Wasserhahn aufgedreht und wieder zu, die Maschine auseinander- und wieder zusammengeschraubt, es bleibt beim „ssssss“!

 

Nun stehe ich da mit meiner Koffernähmaschine und weiß nicht weiter.

 

Vor etlichen Jahren gab es in unserem Städtchen ein kleines Geschäft. Dort konnte man, neben Fahrrädern, auch Nähmaschinen reparieren lassen.

Die Fensterläden zu den Fenstern sind geschlossen. In den Schaufenstern hängen vergilbte Zeitungen und Pappe, die kaum den Blick in das leere Innere aufhalten.

Es scheint niemand mehr da zu sein, der dieses Haus als Zuhause haben möchte und das ganze Haus erweckt den Eindruck, als hätte es, nachdem seine einstiger Besitzer es verlassen haben, seinen Lebensmut verloren.

 

Ein armes, verwaistes, ein trauriges Haus.

Mit einem kleinen Handwerkergeschäft, das genauso verschwunden ist aus unserem Städtchen wie die vielen anderen kleinen Geschäfte, die niemand mehr zu brauchen glaubte.

 

Armselige Entwicklung.