T
H
E
R
E
S
A

C
L
A
Y
T
O
N
© Theresa Clayton 2015

 

Impressum

Datenschutz

WANDERNDE GARTENBÄNKE

 

Ihr Äußeres hat schon ein bißchen gelitten und so ganz stabil fühlt sie sich auch nicht mehr an. Nichts mehr zum Angeben aber zum Verheizen zu schade. Deshalb sollte die Bank von der Terrasse auf einen anderen Platz wandern. Lieblings Muskeln sind hilfreich für solche Aktionen weil eine Bank zwar Beine hat, deswegen aber noch lange nicht laufen kann.

Alten Küchenmöbeln oder Wohnzimmerschränken geht das auch so.

Die müssen irgendwann zur nächsten Station, welche sich für gewöhnlich im Keller, in der Garage oder in irgend einem Schuppen befindet.

Für Werkzeuge, Weckgläser mit kaputtem Deckel und anderem Kram sind sie noch gut genug - bis irgendwer sie als Antiquität entdeckt.

 

Unsere Terrassenbank sollte bloß um die Ecke herum versetzt werden, bis zum Giebelfenster wo der Busch, der darunter steht, raus muß.

Gelandet ist sie gegenüber unter dem Pflaumenbaum.

Die Katze spricht seither kein Wort mehr mit uns, weil ihre persönliche Schaukelbank deswegen weichen mußte.

Der Terrasse sollte eine neue Bank ein Aussehen verleihen wie man das in Gartenzeitschriften sieht, in denen immer alle Gärten wie gemalt aussehen, nicht so wie bei uns.

Die Auswahl an Gartenbänken mitten im Sommer ist löcherig wie die Socken im Handarbeitskorb.

Fast wären wir mit einem neuen Grill nach Hause gefahren, hätten wir das passende Bank-Modell nicht doch noch kurz vor vollzogenem Sinneswandel entdeckt.

Wenn man sich mit seinen Sommereinkäufen Zeit läßt bis bald der Herbst vor der Tür steht, trösten die Geschäftsleute ihre Kunden wegen der mangelhaften Auswahl mit einem schönen Preisnachlaß. Damit konnten wir die Rückenlehne einer zweiten Bank finanzieren, den Rest durfte Liebling spendieren.

 

Im Ikea-Zeitalter muß man seine neuen Möbel selber montieren, egal ob es sich um ein Bett, einen Kleiderschrank oder einen Klavierhocker handelt. Wir sind inzwischen fit darin, deshalb war die erste Bank schnell aufgestellt.

In der zweiten war der Wurm drin. Was wahrscheinlich die Rache dafür war, daß Lieblings Frau mit diesem zusätzlichen Kauf ihren Kopf durchgesetzt hat.

Die im Gewinde festgefressene abgebrochene Schraube war nur mit Werkzeug aus der Trickkiste zu entfernen. Aber danach ging alles ganz leicht.

 

Neuerwerbungen müssen gebührend eingeweiht werden.

Das haben wir mit einem zünftigen Grillabend für zwei Personen in unserer Gartenecke gemacht, wo man auf Stühlen sitzen muß, bei denen die Beine immer in den Boden sinken, wenn man sich draufsetzt.

Weil wir zwischendurch dauernd aufgesprungen sind, um einen anderen Platz für die neuen Bänke auszuprobieren, haben wir die Extrakalorien gleich wieder abgearbeitet.

 

Vielleicht landen die Bänke am Ende ja tatsächlich auf der Terrasse?

Oder dort, wo kürzlich unsere morsche Friesenbank zusammengebrochen ist, die dann durch zwei Holzklötze mit Brett drüber ersetzt wurde?

Da hat man einen schönen Blick quer durch den Garten.

Oder unter dem Giebelfenster, wenn der Busch weg ist?

Vielleicht schau‘n Sie mal vorbei und geben uns einen Tipp?

 

Hätten man nur einen Balkon, müßte man sich über sowas keinen Kopf zerbrechen.

 

 

Mulle auf ihrer Schaukel